• Hans J. Betz

Fernbedienung


 Immer mehr Brücken werden aus der Ferne bedient
Immer mehr Brücken werden aus der Ferne bedient und somit fällt auch hier ein pesönlicher Kontakt weg.

Für beinahe jedes Gerät oder jede Maschine gibt es mittlerweile eine Fernbedienung. Wir zappen von Programm zu Programm, betätigen Lichtschalter oder bedienen die Heizung auf Abstand. Das ist bequem und erleichtert uns das Leben. Auch immer mehr Brücken werden aus der Ferne bedient. Die jeweiligen Zentralen sind meilenweit weg, ein direkter Sichtkontakt mit dem Personal besteht nicht. Die Boote und Schiffe werden von Kameras erfasst und deren Weg verfolgt. Nicht immer klappt das mit dem Klappen. Das mussten auch schon Berufsschiffer erfahren, die buchstäblich einen auf den Deckel bekamen. Trotzdem werden immer mehr Brücken von Zentralen aus bedient, um Personal und Kosten zu sparen. Dabei bleibt jedoch der Mensch auf der Strecke, denn manch eine sekundäre Brücke wurde von einem Brückenwächter oder einer Brückenwächterin bedient. Nicht zuletzt Menschen mit einer leichten körperlichen Beeinträchtigung, oder Personen die durch andere Umstände nicht mehr in den normalen Arbeitsprozess eingegliedert werden konnten, fanden von April bis Oktober eine sinnvolle Beschäftigung und konnten auch finanziell besser durch den Winter kommen. Der Redaktion sind Personen bekannt, die durch die Automatisierung der Brücken ihre saisonale Beschäftigungen verloren haben. Sie vermissen nicht allein das Geld, sondern auch den Kontakt mit den Menschen. Manch ein Dorfbewohner hielt bei einer Brücke kurz inne, um mit dem Brückenwächter einige Worte zu wechseln. Es fehlt auch das freundliche Winken der Bootsfahrer und nicht zuletzt – und das ist typisch für das Land – den Kindern der Klompen (Holzschuh) der mit dem Brückengeld bestückt werden musste. Das Rad der Zeit kann man nicht mehr zurück drehen. Vielleicht müssen wir aber in naher Zukunft fest stellen, dass wir – und dies nicht nur bei den beweglichen Brücken – Wertvolles nicht entsprechend gewürdigt haben.