• Hans J. Betz

Gäste bleiben weg


Auf dem Strandboulevard von Scheveningen ist es in diesem Sommer ungewöhnlich ruhig.
Auf dem Strandboulevard von Scheveningen ist es in diesem Sommer ungewöhnlich ruhig.

Scheveningen: Das einst mondäne Seebad war während Corona an schönen Tagen eines der Lieblingsziele von zahlreichen Touristen, aber auch die Badewanne von Den Haag, wie das ehemalige Fischerstädtchen von den Haagern auch gerne bezeichnet wird. Gemäß einem Medienbericht ist die diesjährige Saison so gut wie gelaufen, denn die Gäste bleiben mehrheitlich weg. Man sucht nach Gründen und wird auch schnell fündig. An erster Stelle wird die Erreichbarkeit genannt. Tatsächlich werden an schönen Tagen schon früh die Zufahrtsstraßen abgeschlossen, obwohl dies nicht nötig wäre. Auch die Strandgastronomie spürt das Wegbleiben der Gäste. Ob das an den hohen Preisen liegt? Wahrscheinlich schon, denn € 14,50 für ein Brötchen mit Thunfisch ist nicht gerade wenig. Eine einfache Strandliege kostet € 15,00 und die VIP-Luxusversion schlägt mit mindestens € 50,00 zu Buche. Parkplätze und Parkgaragen waren in der Vergangenheit, trotz hoher Preise, immer gut belegt. Davon ist keine Rede mehr, man findet mittlerweile auch an schönen Tagen immer einen Stellplatz. Auch überfüllte Straßenbahnen die an manchen Haltestellen durchfuhren, gibt es in diesem Jahr nicht. Etwas ist jedoch geblieben: Am Boulevard herumhängende Jugendliche, die vor allem Frauen lästig fallen. Herkunft und Nationalität darf man mittlerweile leider nicht mehr nennen, ohne von gewissen Kreisen in die rechte Ecke gestellt zu werden. Die Gemeinde will diese Missstände nun vehement bekämpfen und auch das Image von Scheveningen aufpolieren. Eine Charmeoffensive genügt da wohl kaum. Vielmehr muss die Zugänglichkeit, auch bei hohem Gästeaufkommen, besser geregelt werden. Die begangenen Bausünden, beispielsweise am Strandboulevard und rund um das altehrwürdige Kurhaus, sollten mittelfristig ebenfalls zur Diskussion stehen. Auch das Preisgefüge, beispielsweise bei den Parkgebühren muss man im Auge behalten, um wieder attraktiver zu werden. Doch es gibt auch Positives zu vermelden. So sind die Hotels im Badeort auch in dieser Saison gut, vielerorts bis zu 90% belegt.