• Hans J. Betz

Jenever ist Kult


In Schiedam stehen die höchsten Windmühlen der Welt.

“Kopstootje” wird Jenever (abhäqngig von der Region auch Genever genannt) auch liebevoll genannt, denn das niederländische Nationalgetränk kann durchaus Schädelbrummen verursachen. Vor allem die Menge und/oder die Mischung soll dafür verantwortlich sein. Doch Jenever ist auch Kult und hat eine lange Tradition. Für zahlreiche Freizeit-Skipper ist Jenever nach einem gelungenen Törn noch immer ein beliebter “Festmacher”.


Schiedam: Geburtsstätte des Jenevers

Schiedam, vor den Toren von Rotterdam gelegen, hat eine bewegte Vergangenheit. In der Blütezeit der Jenever- und Schifffahrtsindustrie erlebte die Stadt ein großes Wachstum. 1880 gab es in Schiedam beinahe 400 Brennereien und zahlreiche Schiffswerften. Mit dem Verschwinden dieser Industrien vor dem 2. Weltkrieg versank die Stadt in einen Dornröschenschlaf. Vom Ausbau des Rotterdammer Hafens profitierte jedoch auch Schiedam und heute sind die beiden Städte zusammengewachsen. Die Jeneverindustrie brachte einst auch großen Reichtum in die Stadt. Davon zeugen zahlreiche prächtige Monumente die erhalten geblieben sind. Sie machen die Grachten und Häfen noch attraktiver und interessanter. In den ehemaligen Brennereien. Lagerhäuser und Patrizierwohnungen sind nun Ateliers, Galerien und kleine Handwerksbetriebe untergebracht.


Die höchsten Mühlen

Bekannt ist die Stadt auch durch die weltweit höchsten Windmühlen. Einst gab es 20 davon, fünf konnten der Nachwelt erhalten werden. In diesen Mühlen wurde das Korn gemahlen, das die Geneverindustrie benötigte. Die sogenannten “Brandermolen” ließen die Brenner erstellen. Sie fanden sich in einer “Compagnieschap” zusammen, um den Mühlenbau zu finanzieren. Es handelte sich dabei um eine Art Aktiengesellschaft mit Aktionären aus der Geneverindustrie. Die Mühle “De Walvisch” stammt aus 1794. Nach einem Brand im Jahr 1996 wurde sie wieder aufgebaut und hat den Betrieb wieder aufgenommen. Der Mühle ist ein Ladengeschäft mit verschiedenen Backprodukten angegliedert. Auch die Mühle “Drie Koornbloemen” dreht wieder regelmäßig. Sie wurde 1770 erbaut und ist die älteste noch bestehende Mühle in Schiedam. Sie ist auch das einzige Bauwerk das mit dem Haus des Müllers verbunden ist. Die dritte Mühle ist “De Vrijheid” die 1785 erbaut wurde. “De Vrijheid” ist vor allem an den Wochenenden in Betrieb. In der Mühle “De Noord” - sie stammt aus dem Jahr 1803 - ist ein Restaurant untergebracht. Mit 33,30 m Höhe ist “De Noord” die höchste Mühle der Welt. Auch das Mahlwerk ist zum größten Teil erhalten geblieben. “De Palmboom” aus dem Jahr 1781 wurde 1993 als Musemsmühle wieder in Betrieb genommen. Unter dem Namen “De Nieuwe Palmboom” vermittelt sie den Besuchern nun viel Wissenswertes über Mühlen.


Mehr über Jenever....

....kann man im „Gedestilleerd Museum“ in Schiedam erfahren. Beispielsweise über die Getreidebörse am Langen Hafen, wo von 1792 bis etwa 1920 verschiedene Getreidesorten gehandelt wurden. Auch die Jeneverindustrie deckte sich hier mit dem nötigen Rohmaterial ein. Der Handel erfolgte täglich zwischen 12.00 Uhr und 14.00 Uhr. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden 35% des Imports von Roggen über Schiedam abgewickelt, bei Gerste waren es sogar über 70%. Im Museum gibt es überdies ein Probierlokal und bereits beim Eingang kann man den Geschmack von Wacholder und Gerstenmalz riechen. In der Brennerei fühlen die Besucher die Wärme des Feuers unter den kupfernen Kesseln. Farbenfrohe Etiketten, Plakate, Reklameschilder, Flaschen und historische Filmaufnahmen gibt es ebenfalls. Das Museum befindet sich am Lange Haven 74-76, 3011 CH Schiedam


Salonfähig

Jenever hat 32 Volumenprozent Alkohol. Früher galt das Getränk als eine Art “vaterländischer Aperitif”. Er wurde vor allem in der ärmeren Bevölkerungsschicht getrunken. Heute ist Jenever salonfähig und wird in guten Gastronomiebetrieben sogar in verschiedenen Varianten angeboten. Es gibt auch die Gilde der anerkannten Jenever-Cafés.


Wann wird Jenever getrunken?

Jenever kann man vor dem Essen oder auch nach einer feinen Mahlzeit genießen. Viele Niederländer trinken ein Gläschen Jenever und rauchen dazu eine gute Zigarre. Auch an der Theke im Café um die Ecke wird Jenever getrunken. Die Einheimischen trinken ihn meist nicht zusammen mit Bier, sondern pur wie ein gutes Glas Cognac oder einen teuren Whisky. Die Deutschen hingegen trinken nicht selten Bier dazu. Eine gefährliche Mischung, ein echtes “Kopstootje” und in dieser Zusammensetzung ein nicht unbedingt zu empfehlender “Festmacher”. In Maßen hingegen ist Jenever ein exzellenter Borrel (Aperitif) bei jeder Gelegenheit.