• Hans J. Betz

Mehr über Land und Leute: Spaart u zegeltjes?


"Spaarzegeltjes" erfreuen sich immer noch großer beliebtheit.

Vor über 60 Jahren wurde ich erstmals bei einer Tankstelle in Zevenaar mit der niederländischen Sprache konfrontiert, denn in den Schulferien durfte ich mit meinem Vater – er betrieb ein kleines Transportgeschäft und war regelmäßig mit einem LKW zwischen Basel und Rotterdam unterwegs – oder auch mit einem von seinen Fahrern auf die für mich abenteuerlichen Reisen. Damals kostete ein Liter Diesel in Deutschland bereits um die 50 Pfennig, während in den Niederlanden die gleiche Menge nur 12 Cent kostete. Um Geld zu sparen wurden deshalb die Tanks immer bis oben hin gefüllt.. Der Tankwart, das gab es damals noch, stieg auf eine Leiter, reinigte die Scheiben und fragte von oben herab: „Spaart u zegeltjes, of wilt u een sigaar? Mein Vater rauchte nicht und sammelte „zegeltjes“, während seine Fahrer lieber eine Zigarre wollten. Mutter klebte die Marken in eine Sparkarte, für die mein Vater an der Tankstelle in Zevenaar Tassen in Delfter Blau oder gravierte Löffelchen erhielt. Eine besondere Errungenschaft war eine Keramik Windmühle mit Beleuchtung in Delfter Blau, die mir zufällig in späteren Jahren aus den Händen fiel und zerbrach. Während in früheren Jahren die typischen Andenken noch in den Niederlanden gefertigt wurden, kommen heute Löffelchen, Tassen oder Windmühlen aus Fernost.


Damals wie heute sind „zegeltjes“, also Sparmarken in den Niederlanden noch alltäglich und haben eine hohe Akzeptanz. Allein Zigarren gibt es bei Tankstellen für die Trucker längst nicht mehr. An der „Pompstation“erhält man mittlerweile Air Miles, die gegen Badetücher, Kaffee oder belegte Brötchen eingetauscht werden können. Mit Air Miles kann man sogar Dienstleistungen in Anspruch nehmen oder sich im Baumarkt die entsprechenden Punkte, die auf einer Plastikkarte gespeichert werden, auf den Einkauf anrechnen lassen. Traditioneller geht es in verschiedenen Super Märkten zu, wo der Kunde noch immer „zegeltjes“ erhält, die in eine Sparkarte eingeklebt werden müssen. Wenn die Karte voll ist, erhält man einen kleinen Betrag zurück. Früher war dies der Spartopf der Hausfrau, heute eine lieb gewonnene Tradition. Bei anderen Geschäften wiederum erhält man „zegeltjes“ die gegen gravierte Teegläser oder bestickte Teetücher eingewechselt werden können. Mittlerweile haben sich in unserem Haushalt so viele gravierte Teegläser angehäuft, dass wir die Verwandtschaft in der fernen Schweiz zu jeder Gelegenheit damit beglücken können. Und was machen Sie als Tourist, wenn Sie an der Kasse gefragt werden: „Spaart u zegeltjes? Sagen Sie einfach ja und geben Sie die Marken weiter, denn Nachstehende freuen sich darüber, denn gespart wird noch immer viel und gerne.