• Hans J. Betz

Nicht nur der Tourismus ist schwer getroffen


“Bedienen heißt dienen”, war der Leitspruch von Oscar Tschirky vom Waldorf-Astoria New York.

Den Haag: Im vergangenen Jahr haben 21 Millionen ausländische Touristen die Niederlande besucht. In diesem Jahr werden nur 6 Millionen aus dem Ausland kommen. Etwa 3 Millionen der ausländischen Gäste erwartet man 2020 aus Deutschland. Das sind etwa 50% weniger wie 2019. Trotzdem, die Deutschen sind unsere treuesten Gäste. Vor allem Touristen aus Asien wird man in diesem Jahr kaum sehen. Die Bevölkerung von Amsterdam und in anderen Hotspots freut es. Vor allem die Hauptstadt wurde in den vergangenen Jahren von Touristen überschwemmt. Einwohner klagten über die vielen Wohnungen die als Airbnb vermietet werden. Lärmbelästigungen und der Geruch von Garküchen in Treppenhäusern sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Außerdem wurden diese Wohnungen dem Wohnungsmarkt entzogen und manch ein eingesessener Hauptstadtbewohner wurde in die stadtnahen gesichtslosen Wohntürme verdrängt. Auch der Kreuzfahrttourismus wird es vorerst nur eingeschränkt geben, Amsterdam weniger mit Touristenbussen verstopft. Gut für die Einwohner, doch allemal schlecht fürs Geschäft. Schlecht auch für den Arbeitsmarkt. Allein in Friesland könnten bis zu 82.000 Stellen verloren gehen. Und dies nicht nur im Tourismussektor und im Gastgewerbe. Wer jetzt noch frohlockt, dass es ihn ja doch nicht treffe, liegt falsch. Ein Gastwirt kann mangels Umsatz und Gewinn keine neuen Stühle kaufen, das Lokal auch nicht neu anstreichen lassen und der neue Tresen muss ebenfalls warten. Campingbetreiber können auch nicht in neue Sanitäranlagen investieren und die fällige Erneuerung der Elektroanlage liegt ebenfalls nicht drin. Eine Kettenreaktion die kaum mehr zu stoppen ist. Sollten tatsächlich mittelfristig 1/3 aller Arbeitsplätze in Friesland verloren gehen, sieht es düster aus. Umso mehr muss der Gast, woher er auch kommt, gepflegt werden. Oder mit den Worten von Oscar of the Waldorf, dem legendärten Gastgeber Oscar Tschirky vom Waldorf-Astoria New York ausgedrückt: “Bedienen heißt dienen”, ein Leitspruch der auch heute noch seine Gültigkeit hat. Und dies nicht nur im Gastgewerbe oder im Tourismussektor, sondern in der gesamten Dienstleistungsbranche.