Rücksichtslos und todesmutig

Der erste Septembersonntag machte sich mit schönem Wetter bemerkbar. Nachdem sich der Bodennebel verflüchtigt hatte, konnte um 9 Uhr von Terherne aus bereits ein reger Schiffsverkehr fest gestellt werden. Motor- und Segeljachten zogen vorbei, Berufsschiffe fuhren in Richtung Groningen und auch die ersten Kanuten waren bereits auf dem Wasser. Ein friedliches und stimmungsvolles Bild, ein Tag wie er eigentlich immer sein sollte. Deshalb Leinen los mit Kurs auf das Snitser Mar, auf den Binnensee der einmal Sneeker Meer hieß und mittlerweile unter den deutschen Wassersportlern „Schnitzelmeer“ genannt wird. Macht nichts, denn aus Mallorca wurde schließlich auch „Malle“. Die Schleuse bei Terherne stand wie immer offen und schnell einmal war das Snitser Mar erreicht. Von weitem sah man ein Frachtschiff aus Richtung Lemmer kommend in den See einfahren. Gleichzeitig kam aber auch eine Polyvalk in das Blickfeld, die verbotenerweise am Ende des Prinses Margrietkanals mehrmals den Fahrweg kreuzte. Beim letzten Manöver des Seglers kam es beinahe zu einer Kollision mit dem Frachter. Das Berufsschiff hätte das kleine Boot unweigerlich unter Wasser gepflügt und die Folgen wären katastrophal gewesen. Der Schiffsführer kann von seiner Warte aus, zumal bei einem unbeladenen Frachter, ein kleines Boot vor dem Kopf nicht wahrnehmen. Selbst eine Kollision muss man von der Brücke aus nicht bemerken, denn vom Steuerhaus bis zum Bug können bis zu 100 m liegen. Das Grundübel liegt darin, dass sich viele Menschen aufs Wasser wagen, die mit diesem Element nur unter der Dusche Bekanntschaft gemacht haben. Vor allem kleine und offene Segelboote können praktisch überall ohne Befähigungsnachweis gemietet werden. Aus Sparsamkeitsgründen verzichten Mieter auch noch auf einen Außenborder, ein Hilfsmittel das Leben retten kann. Nach wenigen Minuten erfolgte bereits ein weiterer Verstoß gegen die auf dem Prinses Margrietkanal geltenden Fahrregeln, denn ein größerer Kabinensegler kreuzte auf dem Kanal. Nur ein Notstopp verhinderte ein Zusammenstoß mit unserem Redaktionsboot. Der Segelskipper maulte auch noch und wollte sein Fehlverhalten nicht einsehen. Doch auch Motorbootfahrer zeigen sich auf dem Wasser nicht immer von ihrer besten Seite. Etwa jener Freizeitkapitän von der Sorte Neureich und gestylter Dame mit schneeweißer Tendersloep, der mit überhöhter Geschwindigkeit nur kurz vor der Brücke von Uitwellingerga rechts überholte und unerklärliche Kapriolen vollführte. Alles nach dem Motto: „Was kümmert mich der Wellenschlag, was kümmern mich die Ufer, was kümmern mich die anderen Wassersportler, die Hauptsache bin ich. Früher war zwar nicht alles besser, aber Achtung und Rücksichtnahme hatten einen höheren Stellenwert. Punkt.

 

 

Auf der nur zwei Stunden dauernden Fahrt zwischen Terherne und Woudsend kann man mit offenen Augen viel sehen und erleben. Auch schöne Momente mit freundlich grüßenden Wassersportlern und denkenden Freizeitskippern die noch etwas über gute Seemannschaft mitbekommen haben. Und in Terherne selbst befindet sich nicht nur das sogenannte „Kameleondorp“ das an die Geschichten von Jugendbuchautor Rotze de Roos erinnert, sondern auch das direkt am Wasser gelegene Restaurant Portunus mit eigenem Jachthafen. Allein schon die Sicht von der Terrasse aus ist einzigartig und auch das Interieur des Lokals ist maritim. Und was hier aus der kleinen und offenen Küche aus auf den Tisch gelangt, ist in Sachen Preis und Qualität durchaus erwähnenswert. Etwa das Pfeffersteak mit einer pikanten Sauce, begleitet von knusprigen Pommes, Kartoffelgratin, Gemüse und Salat. Alles liebevoll angerichtet wohl wissend, dass das Auge mit isst. Und noch etwas: Auch Kinder sind hier willkommen und erhalten, kaum am Tisch, Malstifte, Malbücher und als Geschenk eine kleine Taschenlampe. Der kleine Sohn unserer Freunde war den ganzen Abend damit beschäftigt und das Kindermenu mit Fritten, Krokette und Apfelmus begeisterte ebenfalls. Die freundliche und zuvorkommende Bedienung machte den Abend perfekt und trug mit dazu bei, dass die weniger schönen Begegnungen am folgenden Tag schnell einmal vergessen waren.

 

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