Traurig aber wahr

Joure: Kürzlich hatte ich im Jachthafen von Joure das Vergnügen einem älteren Herrn zu begegnen, der in der Plicht seines wunderschönen Motorbootes, einer schwedischen Petterson aus den 30er Jahren, klar, Schiff machte. Glänzender Lack und polierte Messingbeschläge zeugten von gutem Unterhalt. Er erzählte, dass der ursprüngliche Motor nicht mehr reparabel war und leider vor vielen Jahren durch eine Volvo Penta Maschine ersetzt werden musste. Fachsimpelei eben. Es sei die letzte Saison für ihn, erzählte der weit über 70-jährige, da er sich den Lack, geschweige denn Unterhalt, Versicherung, Liegeplatz und Winterlager nicht mehr leisten könne. Das Boot habe er sich in besseren Zeiten anschaffen können, als er noch Handelsvertreter für Fotokopierer war. Das seien bis zu jenem Zeitpunkt goldene Zeiten gewesen, als er im Alter von 59 Jahren weg rationalisiert wurde. Er sei nicht nur in die Arbeitslosigkeit, sondern auch in ein tiefes Loch gefallen. Später nur eine kleine Rente und das Ersparte wurde immer weniger. Er sei praktisch von Altersarmut betroffen und könne sich das Boot einfach nicht mehr leisten. Seine Frau und er seinen überdies chronisch krank und zu Jahresbeginn würde die Krankenkasse erst einmal den Selbstbehalt in Rechnung bringen. Zwei Mal € 380,00 notabene. Zusatzleistungen vom Staat bekäme er nicht, da er und seine Frau das kleine Haus abbezahlt hätten. Eine Schande sei es, wie der Staat mit seinen Bürgern umgehe die ein Leben lang gearbeitet hätten. So ergehe es immer mehr Niederländer/innen meinte der Mann noch, als er den Motor startete und die Leinen los war. Es war seine letzte Fahrt, eine Fahrt zum Makler. Irgendwie hat mich das Gespräch tief beeindruckt. Es begann mit Motoren und Schwedenbooten, endete mit einer traurigen Wahrheit.

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