Reaktion Unfall P.M. Kanal

25.10.2017

Sehr geehrter Herr Betz,

durch Freunde wurde ich auf ihren Bericht vom 13. September aufmerksam gemacht. Sie formulieren wie immer drastisch und schliessen mit der Aussage, dass als Unfallursache "ein Fehlverhalten des Segelkapitäns ans Licht kommen dürfte".

 

Nun, dieser Segelkapitän war ich und ans "Licht" muss hier nichts mehr kommen. Die Polizei hat den Vorgang abgeschlossen, ohne Schuldzuweisung, lediglich dem Hinweis, daß die Berufsschifffahrt absolut Vorrang hat und Freizeitboote sich an das äusserst rechte Ufer halten müssen. Die Havarie spielte sich folgendermassen ab: Meine Partnerin und ich befuhren am 12. September gegen 12:00 Uhr mit unserem Motorsegelboot den Kanal. Wir liefen unter Motor in südlicher Richtung, mit einer Geschwindigkeit von vier Knoten. Wegen des an der Unfallstelle mit großen Findlingen befestigten Ufers hielt ich mich nicht äusserst rechts, sondern hatte einen Abstand von etwa fünfzehn Meter. Den Frachter( die Papillon) der mit acht Knoten in gleicher Richtung fuhr, haben wir nicht gesehen. Ohne ein Warnsignal abgegeben zu haben, wurden wir plötzlich an Backbord gerammt, unser Boot kenterte dadurch nach Steuerbord. Trotz des sofort eindringenden Wassers konnten wir gegen die Wassermassen durch die Hecktür tauchend das Ruderhaus verlassen und uns an einem Fender im Cockpit festklammern. Der Motor lief zu diesem Zeitpunkt noch und die Schraube drehte. Dadurch bewegte sich das Boot noch einige Zeit, ehe es in Kanalmitte, entgegen der ursprünglichen Fahrtrichtung sank. Dank der raschen und sehr umsichtigen Hilfe der Besatzung der Motoryacht "Carpe Diem" aus Sloten, wurden wir aus dem Kanal geborgen und an Bord versorgt. Zu erwähnen ist noch, dass bereits am 12. September ein äusserst starker Westwind wehte, der am Folgetag sogar zum Sturm anwuchs. Der Schiffsführer des unbeladenen Frachters gab zu Protokoll, dass er wegen der Windverhältnisse mit hoher, aber zulässiger Geschwindigkeit fuhr, um seinen Hafen Lemmer zu erreichen. Wegen seines hohen Freibordes hat er unser Boot zu spät gesehen und nur noch mit seiner Schiffsglocke geläutet. Ein Signal haben wir nicht gehört.

Wie Sie richtig berichten, wurde das Wrack noch am gleichen Nachmittag gehoben. Wir haben sowohl das Boot als auch unsere an Bord befindlichen persönlichen Gegenstände verloren. Ich bin Ihnen im Voraus dankbar, dass Sie bei nächster Gelegenheit eine Notiz in Ihrem Organ bringen werden. Mit freundlichen Grüßen                          Rolf Dilfer

 

Anmerkung der Redaktion: Auf dem P.M. Kanal beträgt die Höchstgeschwindigkeit 12,5 km/h. Das Binnenschiff fuhr - wenn die Angaben richtig sind - mit 14,816 km/h, also zu schnell. (Knoten gibt es in der Flussschiffart nicht). Dies dürfte für den Unfall jedoch nicht ursächlich gewesen sein. Der P.M. Kanal ist eine Schifffahrtssraße mit viel Berufs-

fahrt. Hier wie auch auf Rheni, Waal, Maas etc. muss man den nachfolgenden Verkehr im Auge behalten, denn

Frachtschiffe sind allemal schneller wie ein Verdränger. Das Freizeitboot konnte vom Schiffsführer durch den toten

Winkel nicht gesehen werden und seitlich auch nicht vom Radar erfasst werden.

 

 

 

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