Messegeflüster

Das neue Boot Holland Team v.l.n.r. Anouk Kuperus, Jacco van Emst, Gerda Brouwer.

 

Leeuwarden: Jede Messe ist seit dem frühen Mittelalter auch ein Markt für Meinungen, Stellungsnahmen und Gerüchte. Ich selbst bin seit beinahe 50 Jahren auf zahlreichen europäischen Messeplätzen journalistisch tätig. habe Veranstaltungen erlebt die nur eine kurze oder mittlere Lebensdauer hatten. Beispielsweise im Automobil- und Nutzfahrzeugsektor, aber auch in der Bootswelt, wie etwa das kürzlich kommunizierte Ende der Traditionsmesse Hanseboot. Es gab und gibt aber auch Publikums- und Fachmessen die sich stetig erneuert und im Laufe der Jahre weiter entwickelt haben. Dazu gehört zweifelsohne die Boot Holland, die sich immer wieder neu erfindet, und das seit gut 30 Jahren. Wie eingangs erwähnt ist jede Messe auch eine Gerüchteküche. Auch die Boot Holland wird immer wieder hinter vorgehaltener Hand mit Gerüchten konfrontiert, die von unbekannter Seite bewusst oder unbewusst gestreut werden. Mal soll die Messe keine mehr Zukunft haben, mal soll sie als Gebrauchtbootschau weiter existieren, mal soll eine Fusion mit der HISWA Amsterdam stattfinden. WasserSport in Nederland online hat hinter die Kulissen geschaut und dem neuen Boot Holland Messeteam die Fragen gestellt, die wirklich von Interesse sind. An der Gesprächsrunde nahmen Anouk Kuperus, Gerda Brouwer und Jacco van Emst teil. Anouk und Jacco haben jeweils über 10 Jahre Erfahrung im Messewesen, Gerda wiederum war Skipperin bei der „Bruinvlot“, bringt maritime Erfahrung mit in das Team ein. „Nein, eine Fusion mit der „trockenen HISWA“ sei nicht geplant und es seien auch keine Gespräche in dieser Sache geführt worden“, so Anouk Kuperus. Gerda Brouwer doppelte nach: „Boot Holland und HISWA haben als Messen eigene Profile und eigene Zielgruppen. Auf die Besucherzahlen angesprochen, wollte man am vierten Messetag noch keine Aussagen machen. Jacco van Emst zeigte sich jedoch sichtlich erfreut, als sich über das Wochenende bereits kurz nach Türöffnung die Hallen füllten. Schlussendlich konnten 31.000 Besucher verzeichnet werden. Kein Rekord, jedoch durchaus akzeptabel, denn Maße ist nicht auch Klasse. Unter dem Strich zählt für die Aussteller einzig und allein die Qualität des Publikums, also das Resultat das durch die Messeteilnahme erzielt wurde. Und da waren bereits während der Veranstaltungsdauer bereits einige positive Stimmen zu hören. Beispielsweise von Hans van Veen von Vedette Jachtbouw aus Ter Aar. Diese Werft war mit vier Motorjachten auf der Boot Holland vertreten, darunter eine Cantia 31 in Charterversion die ab Ter Aar (Süd Holland) vermietet wird. Vedette Motorjachten in Stahlbauweise wiederum haben noch immer ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis. Derzeit liegt die jährliche Produktionskapazität bei acht Motorjachten in verschiedenen Größen. Kurzfristig sollen pro Jahr 12 Einheiten die Werft verlassen, mittelfristig sogar 15. Mit der „Trust“ bringt Vedette im April dieses Jahres ein Modell auf den Markt, das gegenüber vergleichbaren Modellen gut € 100.000 günstiger ist. Wie ist das möglich? Dazu Hans van Veen: „Bereits in jungen Jahren wurde mir eingetrichtert, dass man ohne Geld nichts kaufen kann. Vedette ist denn auch nicht fremd finanziert, sondern hat genügend eigene Mittel, um beispielsweise einige Motoren an Lager zu legen und Einkaufsvorteile zu nutzen, die wir an unsere Kunden weiter geben.“ 

Bild oben: Die Cantia Charterjacht gebaut bei Vedette in Ter Aar.

 

Einige treue Teilnehmer, darunter Werften mit Stahl- und Polyesterbooten, waren in diesem Jahr nicht mit dabei. Gemäß Jacco van Emst soll dies allein damit zu tun haben, weil die jeweiligen Betriebe keine Neuheiten präsentieren konnten. „Mit über 40 verschiedenen neuen Produkten bei Booten und Zubehör sei die Messe jedoch attraktiv genug, um das Interesse der Besucher zu wecken“, so Gerda Brouwer. Was gezeigt wurde hatte denn auch Stil und Klasse. Beispielsweise eine Aquanaut Andante 500 OC für einen Schweizer Eigner und eine Drifter CS 1300 die ebenfalls die ebenfalls eine Schweizer Flagge am Heck führte. Die Schweiz zeigt sich einmal mehr als ein kapitalkräftiger Markt, der noch lange nicht ausgeschöpft ist.

 

Und die Schweizer interessieren sich nicht nur für neue Jachten, sondern auch für gute Gebrauchtboote. Dies macht der jährliche Ausflug des Schweizerischen Schleusenschiffer Vereins deutlich, deren Mitglieder nicht allein im Reisebus zur Boot Holland kommen, sondern auch verschiedene Makler besuchen. Dies zeigt auch, dass die Präsentation von jungen Gebrauchtbooten auf der Messe durchaus Sinn macht. Auf den Plattformen von van der Veen aus Terherne und Smelne Yachtcenter waren deshalb Gebrauchtschiffe zu sehen, die von neuen Booten kaum zu unterscheiden waren. Dazu Anouk Kuperus: „Das Konzept mit jungen Gebrauchtschiffen wurde vor fünf Jahren aus der Not heraus geboren, als zahlreiche Werften die Messe boykottierten. Das Konzept hat sich durchaus bewährt, was der Besucherandrang im Gebrauchtbootsektor deutlich macht“.

 

Bei den offenen Sport-, Fischer- Konsolebooten und Schaluppen, aber auch bei Kabinenbooten in GFK-Bauweise wurde man auf der Messe ebenfalls fündig. Beispielsweise bei van Roeden aus Heeg oder bei Jachtbemiddeling De Jong aus Warten. Auf beiden Ständen war das Angebot reichlich und für jeden Geldbeutel etwas dabei. Ebenfalls nicht zu übersehen und auf einem originellen Stand präsentiert: Die Delphia Blueescape 1200, das Raum- und Flaggschiff von Delphia das von Benelux Importeur Tornado Sailing aus Makkum werbewirksam aufgestellt war. Ein neuer Trend war ebenfalls auf der Messe zu beobachten, nämlich „Wohnen auf dem Wasser“. Auf dem Stand von La Mare war ein Fahrzeug präsent, das nicht nur einem erhöhten Meeresspiegel trotzen kann, sondern auch für permanentes Bewohnen geeignet ist. Möglichkeiten dazu bietet beispielsweise die IJsseldelta Marina in Hattem. Abschließend noch ein Blick in den Zubehörbereich. Stellvertretend sei die Firma Westers Nautic Shop erwähnt – notabene das letzte von vier noch übrig gebliebenen Fachgeschäften in Sneek - das sich als Komplett Shop im Wassersportbereich einen Namen gemacht hat. Gründer Jan Westers konnte man mit seiner kleinen Enkeltochter auf der Messe beobachten, nicht auf dem eigenen Stand, sondern als interessierte Besucher zwischen den Booten. Ja, der dritten Generation gehört die Zukunft.

Abschließend noch einige Worte zu Messen allgemein: Es gibt zu viele Veranstaltungen, nicht nur rund um Boote. Viele Aussteller sehen sich überfordert, möchten nicht wie Wanderzirkusse von Ort zu Ort ziehen. Kosten und Nutzen stehen im Vordergrund, die Veranstaltungswahl deshalb besonders wichtig. Der Messeplatz Leeuwarden hat sich bisher als flexibel und ideenreich erwiesen. Hier schließt das junge Projektteam von Boot Holland an, damit die Messe auch in Zukunft ihren Platz im Messekalender hat.

 

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