• Hans J. Betz

Illegale Passagiere


In vielen Fährhäfen versuchen Migranten an Bord von LKW zu gelangen, um so nach Großbritannien einzureisen.
In vielen Fährhäfen versuchen Migranten an Bord von LKW zu gelangen, um so nach Großbritannien einzureisen.

Vlissingen: Großbritannien ist bei Migranten aus aller Welt noch immer sehr beliebt. Im bunten Völkergemisch mit den vielen Menschen aus den ehemaligen Kolonien fällt man kaum auf, bleibt meist über Jahre unentdeckt, findet bei legal eingewanderten Landsleuten auch (schlecht bezahlte) Arbeit. Seit einigen Jahren ist die Insel auch Ziel von Bürgern aus dem Balkan und nicht zuletzt auch aus Albanien. Ausgangspunkte auf dem Kontinent sind vor allem die Fährhäfen von Calais, Dünkirchen, Zeebrugge, Hoek van Holland, Rotterdam Europort und IJmuiden. Hier und auf Rastplätzen weit vor den Fährhäfen versuchen die Migranten an Bord von LKW zu gelangen, um so unentdeckt Großbritannien zu erreichen. Spediteure weisen deshalb ihre Fahrer an, möglichst keine der als Fluchtpunkte bekannten Rastplätze anzufahren und auch in den Häfen wachsam zu sein. Trotzdem gelingt es Migranten immer wieder sich zwischen den Ladungen zu verstecken und auf diese Weise nach Großbritannien zu gelangen. Von der Einwanderungsbehörde entdeckt, beginnen für den Fahrer die Probleme. Ist er ein Schleuser oder sind die Migranten ohne sein Wissen auf die Ladefläche gelangt? Auch wenn Letzteres der Fall ist, sind die Bussen nicht unerheblich. Sollte es sich um Lebensmitteltransporte handeln und auf der Ladefläche menschliche Hinterlassenschaften vorhanden sein, geht die gesamte Ladung an den Absender zurück. Für Fahrer, Spediteur und Verlader entstehen dadurch alljährlich Kosten in Millionenhöhe. Verschiedene Transportunternehmen fahren die Insel nicht etwa als Folge des Brexit nicht mehr an, sondern wegen dem Migranten-Risiko. Mittlerweile werden auf dem Ärmelkanal auch völlig ungeeignete Schlauchboote eingesetzt, um an die Küsten Großbritanniens zu erreichen. Viele der Flüchtenden geraten in Seenot und können nicht immer gerettet werde. Auf dem Trajekt Calais-Dover, der kürzesten Strecke zwischen dem Kontinent und dem Königreich, verkehren überdies unzählige Fährschiffe, die ein kleines Boot unbemerkt überfahren können. Schleuser nutzen deshalb seit eniger Zeit auch Segeljachten für die Überfahrt. Am 5. Juni entdeckte die Königliche Marechaussee bei einer Ausreisekontrolle beim Vrouwenpolder (Zeeland) in der Kajüte einer Segeljacht 9 Männer aus Albanien, die illegal auf die Insel gelangen wollten. Die Skipper der Jacht, ein 44-jähriger Mann aus Den Oever und 58-jähriger Mann aus Den Helder, wurden wegen Menschenschmuggel verhaftet. Bereits im vergangenen Jahr versuchte ein 65-jähriger Mann von Den Helder aus mit seiner Segeljacht 7 Albaner nach England zu bringen. Im April dieses Jahres wurden drei britische Staatsbürger angehalten, darunter eine Frau, die in großem Stil mit Schlauchbooten Menschenschmuggel zwischen den Niederlanden und Großbritannien betrieben. Mit einem Festrumpf-Schlauchboot kann die kürzeste Strecke (152 Kilometer) zwischen Vlissingen und Margate bei gutem Wetter innerhalb von 2 bis 2 ½ Stunden erreicht werden.