• Hans J. Betz

Mosterd macht scharf


In der Doesburger Mosterd & Azijnfabriek wird noch immer von Hand Senf hergestellt

Doesburg: Eine Wurst ohne Mosterd, so wird Senf hier zu Lande genannt, ist wie ein Bier ohne Schaum, nämlich öde und langweilig. In den Niederlanden hat Mosterd eine lange Tradition und es gab einst viele kleine Senfmanufakturen. Eine der letzten traditionellen Senfmühlen steht in Doesburg. In der Doesburgsche Mosterdfabriek wird noch immer Senf nach alten Rezepten hergestellt. Bereits vor 3000 Jahren war Senf in China ein bekanntes Gewürz. Es gelangte im 4. Jahrhundert v. Chr. über Kleinasien nach Griechenland. Ein erstes Rezept zur Senfherstellung stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. und soll durch den Römer Columella verfasst worden sein. Erste Anpflanzungen von Senfkörnern in Europa gab es bereits im 14. Jahrhundert in Spanien durch Araber. Das Gewürz verbreitete sich schnell und wurde allerorten sehr beliebt. Papst Johannes XXII ernannte sogar einen seiner Neffen zum „Großen Päpstlichen Senfbewahrer“. Heute gibt es wohl keine Küche mehr, wo nicht mindestens ein Senftopf steht.


Die Doesburger Mosterd & Azijnfabriek (Senf & Essigfabrik) ist gleichzeitig auch ein Museum, wo noch immer auf handwerkliche Art Senf hergestellt wird. Aus dem Gemeindearchiv geht hervor, dass das köstliche Gewürz in der Kleinstadt an der IJssel seit 1457 Tradition hat. Im Museum kann man hautnah miterleben, wie aus Senfsaat ein köstlicher Bauernsenf entsteht. Die Körner werden zwischen zwei großen Mühlsteinen zermahlen und erhalten ihr volles, natürliches Aroma während der Reifezeit in Holzfässern. Die Doesburger Senf- und Essigfabrik stellt nicht nur einen urigen Bauernsenf her, sondern produziert sogar einen natriumarmen Senf für Schonkostpatienten. Im Achterhoek, einer ländlichen Gegend im östlichen Teil des Landes, ist der Doesburger Senf ein alltäglicher Bestandteil bei beinahe jeder Mahlzeit. Senf enthält überdies wenig Salz und ist ein bekömmlicher Ausgleich zu Fett. In der Fabrik wird überdies Essig hergestellt. Es gibt 20 Essigsorten, darunter verschiedene Geschmacksrichtungen wie Knoblauch, Minze, Dill oder Holunder. In den alten Gemäuern der Fabrik werden auch zahlreiche Attribute rund um Mosterd gezeigt. Unter anderem gibt es eine umfangreiche Sammlung mit alten Senfgläsern und Werbeplakaten. Verschiedene Abfüllapparate können die Besucher ebenfalls begutachten und teilweise im Betrieb miterleben. Außerdem werden im Fabrikladen verschiedene Produkte aus eigener Herstellung angeboten. Fabrik und Museum findet man an der Boekholtstraat 22 – 26 in Doesburg. Weitere Infos über Besuchszeiten und Eintrittspreise unter: www.doesburgschemosterd.nl