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  • AutorenbildHans J. Betz

Made in Nederland 3


Pommes mit Mayo: Als ich als Schüler anfangs der 60er Jahre erstmals in den Niederlanden war, wurde ich mit einer mir unbekannten Kombination konfrontiert, mit Pommes mit Mayo. Zurück in der Schule erzählte ich davon, was bei meinen Mitschülern mit abwertenden Gelächter zur Kenntnis genommen wurde. Fritten an einer Bude oder an einem Verkaufswagen, und dann noch mit Mayonaise, das konnte doch nicht sein. Pommes Frites gab es damals in der Schweiz ausschließlich in Restaurants. Hätte man dazu Mayo verlangt, wäre man des Lokals verwiesen worden. Nicht so in den Niederlanden, denn Fritten mit Mayo oder Frittensauce sind hierzulande kulinarisches Kulturgut. Allerdings haben die frittierten Stäbchen nach einer Überlieferung ihren Ursprung Ende des 17. Jahrhunderts in Frankreich und Belgien, als die Maas zwischen Dinant und Lüttich zugefroren war und deshalb keine Fische gefangen und frittiert werden konnten. Man schnitt deshalb Kartoffeln in Stäbchen, frittierte diese statt der Fische, Pommes traten ihren Siegeszug in alle Welt an. In den Niederlanden wiederum gibt es eine unsichtbare Grenze, die Frittengrenze. Während oberhalb von Amsterdam die Stäbchen „Patat“ genannt werden, wird im Süden des Landes mehrheitlich von „Friet“ gesprochen. Pommes mit Mayo oder mit Frittensauce hingegen ist Geschmackssache. Mayonaise muss in den Niederlanden aus mindestens 70% Speiseöl und 5% Eigelb bestehen, während Frittensauce nur 20 bis 25% Speiseöl und weniger Eigelb beinhalten darf. Doch ob Mayo oder „Frittensaus“, eine Klatsche davon gehört zu jedem „Bakje“ (Schälchen) oder ‚Puntzak“ (Spitztüte) mit dazu. Allerdings gibt es „Patat“ und „Friet“ in zahlreichen Versionen, deren Bezeichnungen abenteuerlich, lustig oder auch bedrohend sein können. Beginnen wir mit „Frietje moelijk“, was soviel wie schwierig bedeutet. Dann bekommt man einen „Puntzak“ mit Mayo unter den Fritten. Bei der Version „extra moelijk“ wird noch eine Portion Sauerfleisch, Curry, Mayo und Zwiebeln unterlegt. Dann gibt es auch „Friet Kapsalon“, eine Erfindung eines Friseurs aus Amsterdam. Da werden die Pommes mit Shoarmafleisch bedeckt, mit Käse überbacken und als Topping mit Salat versehen. Manchmal kommt auch Knoblauchsauce oder Sambal hinzu. Dann wäre dann noch „Patat troep“, was soviel wie Müll bedeutet und mit verschiedenen Saucen serviert wird. Wahrlich nur etwas für echte Kerle. Wem ein „Patatje oorlog“ (steht für Krieg) noch nicht gewalttätig genug ist, bestellt ein „Patatje kernoorlog“ mit Mayo, Saté, Curry und Zwiebeln. In Den Haag auch unter dem Namen „Patat ziekenhuis“, also Fritten Krankenhaus bekannt. Es gibt noch viele weitere Varianten, die je nach Region spezielle Namen haben. Manchmal lustig, manchmal schrullig, manchmal humorvoll, manchmal auch sarkastisch, eben typisch „Made in Nederland“.


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