• Hans J. Betz

Schlechte Aussichten



Harlingen: Verschiedene niederländische Werften bauen Superjachten, aber auch andere Schiffe wie Arbeitsboote, Baggerschiffe oder Fischereifahrzeuge für den russischen Markt. Die westlichen Sanktionen haben nicht nur einen Einfluss auf den Schiffsbau in den Niederlanden, sondern betreffen auch weltweit deren niederländische Tochterfirmen. Wie bedeutend dieser Industriezweig für das Land ist, zeigen allein schon einige Kennzahlen von Damen Shipyards in Gorinchem. So besitzt das Unternehmen 35 Schiffswerften und beschäftigt in Europa, Middle East, Afrika, Asien und Südamerika 12.000 Mitarbeitende, darunter auch in der Ukraine. Verschiedenen Quellen kann entnommen werden, dass 12 Prozent aller weltweit registrierten Suparjachten russische Eigner haben und in den vergangenen 10 Jahren die niederländische Werftindustrie 19 Superjachten im Wert von 2 Milliarden Euro an Russen geliefert hat. Wenn diese Spielzeuge für Superreiche durch die Restriktionen nicht mehr vom Stapel laufen, entsteht für den niederländischen Superjachtbau ein Portefeuille-Ausfall von etwa 20 Prozent. Verschiedene russische Eigner versuchen derzeit ihre Superjachten in Sicherheit zu bringen. Allerdings konnten einige Putin nahe Oligarchen nicht vermeiden, dass ihre Schiffe in westeuropäischen Häfen an die Kette gelegt wurden. Allein in Montenegro besteht derzeit keine Gefahr für eine Beschlagnahme. Zweifelsohne wird die niederländische Werftindustrie hart getroffen. Weit härter und tragischer ist die Situation für die Menschen aus und in der Ukraine. Als Kind habe ich 1956 aus der Ferne den Einmarsch der Russen in Ungarn mitbekommen, später die Unterwerfung der Tschechoslowakei, den 6 Tage Krieg in Israel, die Teilung Zyperns, den Vietnam Krieg u.s.w. Als junger Journalist durfte ich zahlreiche Reportagen auf Fährschiffen machen, die auch LKW transportierten. Darunter waren Häfen wie La Goulette (Tunis), Tanger (Marokko), Port Said und Alexandria (Ägypten) oder Tartous in Syrien, wo ich unter anderem den Hafenkapitän und hohe Regierungsbeamte interviewte. Tartous war bereits damals fest in russischer Hand und Stützpunkt für zahlreiche Kriegsschiffe. Das wunderbare Land und seine Menschen sind mir in guter Erinnerung geblieben, ein Land das ebenfalls durch die russische Luftwaffe terrorisiert wurde und wird. Nun, wer die letzten 200 Jahre der Geschichte Revue passieren lässt wird unweigerlich feststellen, dass ein Teil der Menschheit in ihrem Tun auf einer sehr niedrigen Stufe stehen geblieben ist.